Dienstag, 29. März 2016

here sat the operator



Hier saß das "Fräulein vom Amt"


Aufgenommen im Museum für Kommunikation Nürnberg

Das „Fräulein vom Amt“ in Deutschland

Frauen verdrängten ab 1889 die Männer im Telefondienst. Hauptgrund war die höhere Stimmlage, die über die damals übertragenen Telefonfrequenzen besser verstanden werden konnte als die der Männer in den Vermittlungsstellen. Ihre Aufgabe war die Vermittlung eines Teilnehmers zu einem anderen Teilnehmer. Jeder Teilnehmer besaß eine eigene Anschlussbuchse auf dem Klappenschrank. Der Standardsatz lautete „Jetzt kommt ein Gespräch für Sie“, und die Verbindung zum Gesprächspartner wurde hergestellt.
Für diesen Beruf waren eine gute Schulbildung, beste Umgangsformen und, wenn möglich, Fremdsprachenkenntnisse erforderlich. Für die Aufnahme wurden lediglich einige Einstellungstests durchgeführt. Die Damen mussten jung, ledig und aus gutem Hause sein. Die Ausbildung bzw. die Anlernzeit finanzierte die Post. Das Gehalt war ähnlich wie beispielsweise das der Sekretärin. Es reichte aus, um eine unverheiratete Frau zu versorgen.
Um die Jahrhundertwende erfreute sich dieser Beruf großer Beliebtheit. Knapp 4000 „Fräulein vom Amt“ gab es 1897. Zehn Jahre später waren es schon 16.000. Mit der Entwicklung der automatischen Vermittlungstechnik, bei der elektromechanische Wähler die Verbindungen aufbauten, wurden die „Fräuleins“ nach und nach durch Maschinen ersetzt: 1908 wurde in Hildesheim das erste automatische Ortsamt in Deutschland in Betrieb genommen. Doch erst 1966 waren alle Ortsnetze auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik automatisiert. Auch die Gespräche des Mobilfunks im A-Netz waren auf Handvermittlung aufgebaut.
Bis heute wird als "Telefonauskunft" eine kommerzielle Vermittlung von Gesprächen angeboten.

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